hit-Technopark: Sascha Lobo beim INNO-Talk
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hit-Technopark: Sascha Lobo beim INNO-Talk

„Wir müssen den digitalen Wandel mitgestalten“

Sascha Lobo im Gespräch mit Olaf Birkel.

Vor rund 200 Zuhörern führte Sascha Lobo durch die rasante Welt der digitalen Transformation.

Hamburg-Harburg, 10.02.2017 (hit-Technopark) - „Der Fortschritt kommt, er ist nicht aufzuhalten“, resümierte Sascha Lobo gegen Ende seines Auftritts beim INNO-Talk im hit-Technopark. Wie unsere Welt allerdings einmal aussehen wird, könne auch er nicht sagen. Aber „alle, die Zivilgesellschaft, haben eine Verantwortung, den digitalen Wandel mitzugestalten“.

Vor rund 200 Zuhörern – viele aus den 110 Unternehmen im hit-Technopark – führte Sascha Lobo, Internet-Guru, Blogger, Journalist und vor allem Querdenker mit dem roten Irokesenschnitt, durch die rasante Welt der digitalen Transformation, die er „Zeit des exponentiellen Fortschritts“ nennt. Gerade einmal zehn Jahre ist es her, dass Apple sein erstes iPhone auf den Markt brachte. Heute könne sich eine ganze Generation nicht mehr vorstellen, ohne dieses Gerät auszukommen. 221 Mal täglich ziehe ein durchschnittlicher Handy-Benutzer sein Smartphone heute aus der Tasche, ein 17-Jähriger allerdings nur einmal, fügte Lobo verschmitzt hinzu, „und es den ganzen Tag nicht mehr ausschalten“. Wie mächtig das Smartphone sei, belegt die weltweite Auswertung der Seitenaufrufe im Internet: Seit November 2016 werden die meisten Aufrufe von mobilen Geräten aus und nicht mehr am Computer im Büro oder zu Hause getätigt.

Wer intensiv über die Auswirkungen des digitalen Wandels – „Wir stehen da erst am Anfang“ (Lobo) –  nachdenkt , den überkommt ein Grusel, weil man nicht versteht, was da geschieht. Die Datenbegeisterung der Menschen sei aber so grenzenlos, dass sie für eine geringfügige Verbesserung der Lebensumstände jede Art von persönlichen Informationen preisgeben würden. Lobo nennt einige Beispiele, was das Internet mit uns macht:

  • Viele Nutzer fotografieren ihr Mittagessen und stellen es ins Netz. Was so harmlos scheint, kann aber gravierende Folgen haben. Denn mit einer App können an Hand des Fotos die Kalorien berechnet und auch andere Bewertungen vorgenommen werden. Was würde passieren, wenn sich die Krankenversicherung meldet und wegen des Essverhaltens die Zusatzpolice kündigt?
  • Eine Website in den USA fordert Privatpersonen dazu auf, ihre Geschlechtskrankheiten ins Netz zu stellen und bewerten zu lassen. Das ist keine Fake-News, sondern Realität. Welche Rückschlüsse könnten Arbeitgeber und Krankenkassen daraus ziehen?
  • Wollen wir künftig unsere elektrische Zahnbürste ans Handy anschließen und uns per App sagen lassen, ob wir die Zähne gut oder schlecht geputzt haben. Denn wo es Datenströme gibt, können sie auch ökonomisiert werden. Sascha Lobo zeigt auf seine Google Watch, die er für ziemlich schlecht hält. Aber dennoch Platz zwei belegt bei den größten Uhrenherstellern der Welt – hinter Rolex. „Die Wertschöpfung der Weltwirtschaft wandert in die digitale Sphäre“, sagt er „die Plattform ist die Zukunft. Wir steuern auf einen Plattform-Kapitalismus hin.“ Gab es bis 2011 ein Digtital-Unternehmen unter den weltweit wertvollsten Firmen, beherrschen heute ausschließlich Digital-Konzerne den Markt.

Wie schnell die Transformation abläuft, zeigt Lobo am Beispiel alltäglicher Finanztransaktionen. Während PayPal in USA und Europa im letzten Jahr 6 Milliarden Transaktionen abwickelte, waren es auf der Plattform WeChat in China am 28. Januar diesen Jahres 46 Milliarden – an einem einzigen Abend.

„Wir müssen uns entscheiden, welche Effizienz wir haben wollen“, meint Lobo, „und wie wir die Grundwerte unserer liberalen Gesellschaft verteidigen.“ Es würde nervig und stressig werden, ergänzt er in der abschließenden Diskussionsrunde, aber die Chance sei da zur Mitgestaltung. Wir müssten politische und gesellschaftlich Leitlinien und Werte festlegen, die uns schützenswert seien. Die Datenbegeisterung könne man aber nicht mehr relativieren.

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