Ein Spargelfeld im Landkreis

Außergewöhnliche Umstände erfordern außergewöhnliche Ideen – Wie Gemüsebauer Behr seine Ernte sichern will

Ohne Erntehelfer kommt das Gemüse nicht rechtzeitig vom Feld in den Supermarkt. In einem Brief bittet die Behr AG die Politik um Hilfe.

Die Bundesregierung hat den Gemüseanbau für systemrelevant erklärt. Statistisch liegt der Selbstversorgungsgrad mit deutschem Frischgemüse im Jahresmittel bei etwa 40 Prozent. Von Mai bis Ende Oktober liegt er im Freilandgemüse bei 100 Prozent. Allein die Betriebe, die in der BEHR AG aus Seevetal gebündelt sind, bauen 65 Gemüsearten an, dazu 15 Arten als Bio-Produkte.

Frischgemüse muss tagesfrisch geerntet werden und soll in kürzester Zeit zu den Zentrallagerorten des Lebensmitteleinzelhandels, der Vollsortimenter und Discounter gelangen. Dass Bestellungen für den Folgetag bei den Erzeugern bis 17.00 Uhr eingehen ist nicht ungewöhnlich. Diese Bestellungen müssen oft noch auf den Punkt geerntet und bis zum nächsten Morgen ab 7.00 Uhr an die Zentrallagerorte in ganz Deutschland angeliefert werden - eine große logistische Leistung aller Beteiligten, von der Ernte über die Verladehallen bis zum Transport.

Die momentane Situation

Der Einreisestopp für die ausländischen Erntekräfte auf Grund des Corona-Virus bis mindestens 25. Juni hätte zur Folge gehabt, dass etwa 90 Prozent der Gemüsemenge bis zu dem Zeitpunkt nicht geerntet werden und deshalb in den Märkten fehlen.

Derzeit zeigen sich viele Menschen dazu bereit, die Ernte mitzusichern. Behr erläutert: „Wir haben zahlreiche Bewerbungen von Schülern, Studenten, Kurzzeitarbeitenden und Arbeitslosen. Es werden täglich mehr, was uns freut. Diese Kräfte könnten nur einen kleinen Teil der fordernden Arbeit abdecken, etwa 10 bis 15 Prozent. Das wird aber niemals reichen.“

Eine außergewöhnliche Idee

Um die Ernte und damit eine ausgewogene und gesunde Ernährung für die Bevölkerung sicherstellen zu können schlägt Behr vor, osteuropäische Erntearbeiter einreisen zu lassen und ihnen eine 14 tägige Quarantäne vor Arbeitsbeginn in den derzeit leerstehenden Hotels zu ermöglichen. Die staatlichen Institutionen könnten die Kosten für den Aufenthalt und die notwendigen Verpflegungskosten in den Hotels übernehmen. Die Gemüsebaubetriebe würden einen Betrag als Anreiz an die Saisonarbeiter pro Tag zahlen, damit Sie die Quarantäne auf sich nehmen. „Damit sind die staatlichen öffentlichen Gelder nicht nur eine Überbrückung in schwieriger Zeit, nein, sie sichern und flankieren eine wertvolle Produktion“, so Behr.

Behr hat sich mit seiner Idee per Brief direkt an die Kanzlerin und die Länderchefs gewendet und hofft auf die Unterstützung seiner Idee, damit die Versorgung mit frischem Gemüse in Deutschland gesichert bleibt. Inzwischen hat die Bunderegierung mitgeteilt, dass insgesamt 40.000 Erntehelfer einreisen dürfen, was jedoch bei weitem nicht ausreicht.