Der Augsburger Religionsfrieden von 1555 und die Metropolregion Hamburg

„Cuius regio, eius religio“ – Wessen Gebiet, dessen Religion – so lautete die Friedensformel des Augsburger Religionsfriedens vom 25. September 1555. Dieser gab den Landesfürsten das Recht, auf ihrem Gebiet die Konfession zu bestimmen. Die lutherischen Reichsstände waren den katholischen nun gleichberechtigt. Die Religionsfreiheit galt jedoch nur für die Reichsstände, also die Fürsten und die Reichsstädte. Die Untertanen mussten sich dem Glauben ihres Landesherrn anschließen oder durften auswandern.

Was hat der Augsburger Religionsfrieden von 1555 nun mit der Metropolregion Hamburg zu tun? Derzeit erleben wir eine Situation, in der die Entscheidungsgewalt in zentralen Fragen eben nicht mehr in zentraler, sondern in dezentraler Verantwortung liegt. Was gesundheitspolitisch sinnvoll und zielführend ist, sollte uns jedoch vor einem Rückschritt in anderen Bereichen bewahren. Gerade wenn es um Wirtschaftskraft, um Innovation, Mobilität, Fachkräfte und vieles mehr geht, müssen wir das kooperative Miteinander leben, Grenzen überwinden und gemeinsam neue Wege gehen.

Ausgelöst durch die Corona-Krise konnten wir eine Konzentration auf sich selbst beobachten, auf eigene Belange und die Problemstellungen, die sich im direkten Umfeld zeigen. Gemeinsame europäische Lösungen hat es nicht gegeben. Die föderale Struktur Deutschlands ist manchem erst wieder bewusst geworden. Und auch auf Ebene der Metropolregion Hamburg spielten Landesgrenzen plötzlich wieder eine sichtbare Rolle. Hamburg sowie Regionen in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen bilden die Metropolregion Hamburg. Hier leben etwa 5,3 Millionen Menschen in einem starken und wachsenden Wirtschaftsraum mit hoher Lebensqualität, gut erreichbar. Der eine hat, was der andere braucht – und umgekehrt. Wir sind aufeinander angewiesen und unterstützen uns gegenseitig. Gemeinsam haben wir in den vergangenen Jahren viel erreicht. Austausch, Unterstützung und Vernetzung waren die Rezepte. Dieses solidarische Miteinander darf nicht gefährdet werden.

Aus meiner Sicht dürfen wir die Erfolge der vergangenen Jahre nicht aufs Spiel setzen, sollten uns diese vielmehr bewusst machen und ausbauen. Das Ergebnis sollte gerade in Corona-Zeiten nicht so aussehen wieder der mittelalterliche Religionsfrieden.

In der Region, für die Region und mit der Region – so verstehen wir bei der Süderelbe AG unseren Auftrag. Und damit haben wir in den vergangenen Jahren viel erreicht. Stichworte sind Wirtschafts- und Innovationskraft, Fachkräftemarketing und Mobilität. Ohne ein landkreisübergreifendes Denken und Handeln in der Süderelbe-Region und darüber hinaus wären die zahlreichen Projekte der vergangenen und auch der zukünftigen Jahre nicht zustande gekommen. Gegenüber den politischen Entscheidern in Hamburg und Niedersachsen können wir unsere grenzübergreifende Kraft und Kompetenz einbringen. Es ist gelungen, den politischen Austausch zu etablieren. Diese Erfolge wollen wir nicht aufs Spiel setzen, sondern ausbauen. Das erfordert Kooperation, nicht Konfrontation, miteinander nicht gegeneinander. Auch wenn der Wind mal etwas steifer weht – ganz besonders dann.

Dr. Olaf Krüger, Vorstand Süderelbe AG