"Der Radschnellweg ist eine neue Mobilitätskultur"

Ohne Stau auf überwiegend kreuzungsfreier Strecke zwischen Stade und Hamburg fahren - möglich gemacht mit dem neuen Radschnellweg. Die Metropolregion Hamburg übernimmt die Planung und Koordination des derzeit größten länderübergreifenden Radschnellwege-Planungs-Projekts in Deutschland. Was ein Radschnellweg ist und wie er zu einer neuen Mobilitätskultur beitragen kann erläutert Henrik Sander, Geschäftsführer von orange edge - Integrierte Stadt- und Verkehrsplanung GbR.

1. Warum ein Radschnellweg - ist der Autobahnausbau nicht viel entscheidender?

Es geht nicht darum, den Radschnellweg und die Autobahn gegeneinander auszuspielen. Vielmehr wird durch den Radschnellweg die Möglichkeit der Fortbewegung erweitert. Die Zukunft unserer Mobilität ist vielfältig, auch in den Randbereichen von Städten kommen viele verschiedene Verkehrsmittel zusammen. Der Radschnellweg reagiert aktiv auf diese Entwicklung. Durch ihn geben wir den Menschen in der Süderelbe-Region die Möglichkeit, sich möglichst CO2 frei und zuverlässig fortzubewegen.


2. Ist ein Radschnellweg eine Fahrradautobahn? Sind Fußgänger erlaubt? Welche Regeln gibt es?

Wir folgen dem Prinzip der möglichst kreuzungsfreien Führung des Radschnellweges. Das ähnelt der Autobahn. Der entscheidende Unterschied besteht jedoch darin, dass wir nicht von einer Höchstgeschwindigkeit ausgehen, sondern von einer Reisegeschwindigkeit zwischen 20 und 30 km/h. Es geht bei einem Radschnellweg darum, eine möglichst gute und konstante Durchschnittsgeschwindigkeit zu haben. In Verbindung mit der überwiegenden Kreuzungsfreiheit sind somit Durchschnittsgeschwindigkeiten möglich, die mit denen des städtischen Autoverkehrs in Europa vergleichbar sind.

Ein Radschnellweg ist, wie der Name sagt, ein schneller Weg für den Radverkehr. Grundsätzlich trennen wir Rad- und Fußverkehr aus Gründen der Sicherheit. Es entstehen dabei separierte Wege für Fußgänger. Der Ausbau eines Radschnellweges ermöglicht es, dass bestehende Wege für den Fußverkehr attraktiver werden können. Nur in Ausnahmefällen mischen wir Rad- und Fußverkehr. Im Gegensatz zum städtischen Verkehr, wo das Fahrrad mal auf Schutzstreifen, mal auf der Straße, mal auf dem Gehweg geführt wird und niemand die Regeln so richtig kennt, ist es auf dem Radschnellweg eindeutig: Rechtsfahrgebot, rechts vor links und ansonsten gilt die StVO.


3. Welche Voraussetzungen braucht es über einen Radweg hinaus die Bereitschaft der Pendler zum Umstieg zu erhöhen?

Dabei verhält es sich wie beim Angebot für das Auto: Ich brauche vernünftige Stellplätze. Somit ist es wichtig, dass ich nicht täglich das Fahrrad aus dem Keller holen muss, die Abstellanlagen an der S-Bahn Haltestelle sicher und am Arbeitsplatz nicht zwischen den Mülleimern sind. Es braucht eine Infrastruktur, die von Wohnungsbauunternehmen, Nahverkehrsbetrieben und Arbeitgebern geschaffen werden muss. Insofern ist der Radschnellweg nicht nur eine öffentliche Infrastruktur von A nach B, sondern eine neue Mobilitätskultur, die wir gemeinsam „bauen“ und gemeinsam nutzen. Es braucht ein Image! Weil wir Wohnen und die zahlreichen Arbeitsplätze in der Süderelbe-Region miteinander verbinden, ist der Arbeitstitel für unseren Radschnellweg: Tech Line Süderelbe.


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