Nachhaltigkeit in der Region: Interview mit der Klimaschutzmanagerin der Hansestadt Buxtehude

Für Arbeitgeber wird es heute immer wichtiger, sich zu Themen wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu positionieren und ein umweltbewusstes Handeln vorzuleben – auch für ihre Attraktivität gegenüber Fachkräften. Das Fachkräfte-Team der Süderelbe AG stellt daher im Rahmen ihrer Social Media-Aktionswochen „Firms for Future“ vom 16. bis 24. September 2019 Unternehmen aus der südlichen Metropolregion Hamburg vor, die sich auf diesem Gebiet besonders engagieren. Die Hansestadt Buxtehude setzt sich mit vielfältigen Maßnahmen für den Umwelt- und Klimaschutz ein und wurde dafür mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis als eine der nachhaltigsten Städte 2019 ausgezeichnet. Ann-Kathrin Bopp, Klimaschutzmanagerin der Hansestadt, hat mit dem Fachkräfte-Team über ihre Aktivitäten und Ziele sowie „Fridays for Future“ gesprochen.

Warum ist das Thema Klimaschutz so wichtig für die Hansestadt Buxtehude?
Global denken, lokal handeln - das ist unser Motto. Klimaschutz geht uns alle an. Der Klimawandel wird spürbar, auch hier. Die Sommer werden heißer, die Starkregenereignisse nehmen zu, die Erde erwärmt sich. Es geht um unsere Zukunft und um die Zukunft unserer Gesellschaft. Und die möchten wir gemeinsam mit den BürgerInnen, aber auch der Wirtschaft vor Ort nachhaltig gestalten, um für uns und unsere nachfolgenden Generationen ein lebenswertes Buxtehude zu erhalten. Klimaschutz ist bereits in der Stadtgesellschaft angekommen. Umso wichtiger ist es, gemeinsam konkrete Maßnahmen für mehr Klimaschutz zu ergreifen.
             
Welche konkreten Maßnahmen ergreift die Hansestadt Buxtehude in diesem Bereich?
Es werden zahlreiche unterschiedliche Aktionen und Projekte in Buxtehude umgesetzt:
o    Bei der Müllsammelaktion „Sauberhaftes Buxtehude“ sind drei Wochen im Jahr alle Akteure der Stadtgesellschaft aufgerufen, Müll zu sammeln und es finden Aktionen gegen Plastikmüll statt. Ebenso werden Projekte für Alternativen wie z.B. Mehrwegbecher, Jute statt Plastik etc. sowohl von der Kommune als auch von en-gagierten BürgerInnen durchgeführt.
o    Die Ökomesse „Vor Ort Fairändern“ ist eine jährliche Verbrauchermesse, auf der sich BesucherInnen an den Ständen zu den Themen Nachhaltigkeit, Fairer Handel, Regionalität und ökologisches Leben informieren können.
o    Buxtehude nimmt an der „Stadtradeln“-Kampagne des Klimabündnisses teil. Dabei wird drei Wochen am Stück für mehr Klimaschutz und zur Förderung des Radver-kehrs geradelt.
o    Mit dem energetischen Quartierskonzept „Stieglitzweg“ wird das Quartier hinsichtlich energetischer und weiterer ökologischer Potentiale untersucht. Auch soziale Aspekte und Strukturen des Quartiers werden untersucht, um einen nachhaltigen Ansatz zu entwickeln und unterschiedliche Bedürfnisse zu berücksichtigen.
o    Drei Standorte in Buxtehude sind mit einem standortbasierten Carsharing ausge-stattet. 
o    Durch ein vom Bundesumweltministerium gefördertes Vierjahresprogramm zu Energiesparmodellen wird in acht Buxtehuder Kitas mittels technischem und pädagogischem Konzept Klimaschutz langfristig implementiert.                                
o    Jährlich findet das dreistündige Gewerbe-Forum „Mensch, Wirtschaft und Umwelt“ statt, bei dem themenspezifisch durch ein regionales und ein überregionales Best Practice-Beispiel Anreize geschaffen werden, Nachhaltigkeit und Klimaschutz in re-gionale Unternehmen zu implementieren und sich zu vernetzen.
o    Buxtehude ist Pilotkommune beim Projekt „Globale Nachhaltige Kommune Niedersachsen“. Hierbei sollen die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinigten Nationen in der kommunalen Ebene verankert werden.

Was ist das Ziel der Aktivitäten in diesem Bereich? 
Neben der Verminderung der CO2-Emissionen geht es in erster Linie darum, eine Bewusstseinsänderung der Menschen vor Ort zu generieren. Wir möchten die Menschen, engagierten BürgerInnen unterstützen und ihnen eine Plattform geben, Anreize schaffen selbst aktiv Klimaschutz zu betreiben, global zu denken und lokal zu handeln.

Was konnte bisher schon erreicht werden?
Bis zum Jahr 2017 sind die Emissionen um 17% gesunken. Im Vergleich mit der CO2-Bilanz für das Jahr 1990 sind die Emissionen in Buxtehude um 18,4 % pro Einwohner gesunken. Die Daten sind allerdings hinsichtlich der Aussagekraft mit Vorsicht zu genießen, da teilweise (z.B. im Bereich Verkehr) der Bundesdurchschnitt herangezogen wurde und somit nicht direkt auf Buxtehude zu beziehen ist.

Welche Resonanz kommt von den Bürgern? Werden die Aktivitäten positiv angenommen oder erfahren Sie auch Kritik? 
Die Resonanz ist sehr positiv. Vor allem die Aktion „Sauberhaftes Buxtehude“ wird besonders von den BürgerInnen wahrgenommen, da sich diese aktiv beteiligen können. Allerdings ist immer Luft nach oben und Verbesserungspotential im Klimaschutz vorhanden. Es gibt daher noch viel zu tun.

Wie wird durch die Klimaschutz-Maßnahmen die Attraktivität des Standortes Buxtehude (z.B. für Fachkräfte aus anderen Regionen) gesteigert?
Unsere Wirtschaftsförderung beschäftigt sich intensiv mit dem Thema und setzt auch Nachhaltig-keitskriterien beim Wirtschaftsstandort an. Nachhaltigkeit und der Klimaschutz kann Ursache und Treiber für Innovationen und neue Geschäftsmodelle sein, und wenn wir als Hansestadt eine Plattform dafür bieten, wirkt sich das aus meiner Sicht positiv auf den Standort aus.

Wie wird das Thema aus Ihrer Sicht in der gesamten Süderelbe-Region behandelt? Gibt es Konzepte, konkrete Projekte und schon Ergebnisse?
Ich bin im Rahmen meiner Tätigkeit als 2. Vorstandsvorsitzende der Klimawerkstatt im Landkreis Stade e.V. aktiv. Der Verein „Klimawerkstatt im Landkreis Stade e.V.“ wurde im Jahr 2015 gegründet und ist die erste Klimaschutzagentur in Norddeutschland, die aus unternehmerischer Initiative entstanden ist. Die Energiewende und die durch die Bundesregierung auferlegten Klimaschutzziele haben die Unternehmer zu dieser Gründung bewegt. Die Förderung der Energiewende und der Wertschöpfung im Landkreis Stade, die Unterstützung der Klimaschutzziele im Landkreis Stade und die Senkung der Energiekosten und des Energieverbrauchs durch gesteigerte Energieeffizienz bei Wohngebäuden, Betrieben und öffentlichen Einrichtungen sind die Ziele des Vereins. Der Verein versteht sich als Koordinator und Impulsgeber umfassender Informationen zu klimaschutzrelevanten Themen. Dies soll in enger Verzahnung mit den jeweiligen kommunalen KlimamanagerInnen erfolgen.

Bestehen auch Kooperationen mit überregionalen Partnern/Einrichtungen wie z.B. dem BUND? 
Ja. Gemeinsam mit dem Abfallwirtschaftsamt des Landkreises und dem BUND haben wir den Kampf gegen Einweg angesagt und haben gemeinsam auch ein Mehrwegpfandsystem gegen Ein-weg-Coffee-To go in unsere Region gebracht. Auch wir Klimaschutzmanager sind hier in der Region sehr gut vernetzt.
Welche weiteren Maßnahmen sind für die Zukunft geplant?

Wir möchten das Thema Klimaschutz noch mehr in die Schulen tragen und weiterhin gemeinsam mit der Stadtgesellschaft für ein „Sauberhaftes Buxtehude“ sorgen. Darunter sind einzelne Kampagnen geplant. Auch das Energetische Quartierskonzept gilt es im Quartier Stieglitzweg umzuset-zen. Des Weiteren sind wir im Rahmen der gemeinsamen Erstellung eines Verkehrsentwicklungsplans dabei, alternative Mobilität weiter in der Stadt zu verankern. Ein weiterer wichtiger Baustein ist das Thema „Klimaanpassung“, um auch die Stadt an die veränderten klimatischen Bedingungen anzupassen.

Wie bewerten Sie die Fridays for Future-Initiative?
Ich persönlich finde die Initiative super. Sie hält der Gesellschaft den Spiegel vor und zwingt uns dazu, uns mit dem Thema zu beschäftigen. Wenn Top-down nichts funktioniert, muss der Klimaschutz Bottom-up aktiv betrieben werden. Wir haben nicht mehr viel Zeit, ehrlich gesagt ist es kurz vor 12. Und wir verzocken mit unserer Lebensweise unseren Kredit. Wenn wir jetzt an unserer westlichen Art zu leben nichts ändern, werden unsere Nachkommen, aber auch wir, noch einen teuren Preis dafür bezahlen müssen.

Hilft Greta Thunberg der Bewegung (noch)?
Definitiv, sie zieht die Öffentlichkeit und die Medien auf sich. Die Medien haben eine so starke Macht und wenn das durch Greta Thunberg genutzt wird als Erinnerung, dass uns die Zeit davon-läuft, funktioniert die Bewegung.

Kann Ihr Projekt von der Bewegung profitieren und wenn ja, wie?
Menschen setzen sich mit dem Klimawandel auseinander und müssen handeln, sie werden sensibi-lisiert und sie bekommen mit, dass ihre Kinder die Kosten, die unsere Generation verursacht hat, bitter bezahlen müssen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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