Optimismus trotz Auftragsausfällen: Dirk Lehmann im Interview

Dirk Lehmann, Geschäftsführer der E-Cap Mobility GmbH in Winsen/Luhe, sieht in der Corona-Krise Chancen und Risiken. Sein Unternehmen baut nahezu jedes Wunschfahrzeug zum umweltfreundlichen Elektromobil, auch Oldtimer. Darüber hinaus entwickelt E-Cap derzeit den ersten wasserstoffbetriebenen LKW. Im Interview hat Lehmann uns seine Gedanken erläutert.

An welchen Stellen hakt es bei Ihnen derzeit?
Wir haben zwei sehr große Aufträge nicht bekommen, die wir fest eingeplant hatten. Dadurch verlieren wir die Hälfte unseres geplanten Jahresumsatzes. Und die Bremse, also Auftragsstornierungen, kam ganz abrupt. Dadurch mussten wir einen großen Teil der Belegschaft in Kurzarbeit schicken. Wir haben derzeit keine Pläne, Mitarbeiter zu entlassen, stellen allerdings im Moment auch nicht neu ein. Darüber hinaus haben wir Umbaupläne für Halle und Büros erstmal zurückgestellt, also Investitionen gestoppt, um das Geld zusammenzuhalten.

Als Gesellschafter überlegen wir, wie wir das Unternehmen durch die Krise finanzieren können. Derzeit arbeiten wir an den Anträgen für die Fördermöglichkeiten durch die KFW. Das stellt sich als sehr schwierig dar, weil die Banken von ihrem Sicherheitswunschdenken nicht abgehen und die Bewertungskriterien gelten, die immer gelten. Unser dringender Wunsch ist, die Finanzierung über die KFW zu vereinfachen.

Welche Chancen sehen Sie?
Neue Produkte, Erweiterung der Produktpalette und Aufbau eines Webshops – das sind die Projekte, die wir jetzt angehen.

Was bedeutete das konkret?
Der Webshop ist derzeit im Aufbau. Wir planen die Produktion für Batteriesysteme, die dafür notwendigen Investments und Finanzierungen. Und wir sind fest davon überzeugt, dass wir nach der Krise mit anderen Produkten besser dastehen als vorher.

Wie ist die Situation bei den Mitarbeitern?
Die Mitarbeiter bei uns merken, dass wir als Geschäftsführung schon frühzeitig reagiert und einen Corona-Plan aufgestellt haben mit ausführlicher Finanzplanung. Damit waren wir einen Monat voraus.

Unsere Mitarbeiter haben dafür Verständnis, sind motiviert und freuen sich, dass sie noch in Lohn und Brot sind. Auch wenn die Kurzarbeit nicht schön ist sehen die Mitarbeiter darin eine Chance, für die Zeit danach eine Brücke zu bauen.

Was bedeutet die Situation für Ihr Wasserstoffprojekt?
Das Projekt läuft auf kleiner Flamme weiter. Derzeit bremst uns Corona etwas aus. Unsere Gesprächspartner sind über den Globus verteilt und schwer oder gar nicht zu erreichen. Wir merken: Nicht alles geht per Homeoffice und Telekonferenz. Wir gehen davon aus, dass sich das Projekt um die Corona-Zeit verschiebt.

Ich hoffe, dass wir in Deutschland ab Mitte Mai wieder loslegen können.