Schiene, Straße, Wasser - Interview mit Dirk Lehmann zu Mobilität und Infrastruktur in der Region

Car Sharing, E-Auto, Radschnellweg – im Bereich Mobilität tut sich viel in Deutschland. In der Süderelbe-Region auch? Dirk Lehmann ist Aktionär der Süderelbe AG und Geschäftsführer von Becker Marine Systems. Im Interview erzählt er, warum die Süderelbe-Region eine gute Infrastruktur braucht und wie sie diese bekommen kann.

Energie, Wasserstoff und Mobilität – das alles sind Themen, die die Region zukünftig beschäftigen werden. Was braucht die Region?

Also für die Region, gerade die Metropolregion rund um Hamburg, ist nichts so wichtig, wie Verkehr! Verkehrsinfrastruktur ist unser Dilemma. Wir rauschen in diesem Jahr gerade wieder in eine Katastrophe hinein: A7 wird zu gemacht, A1 wird zu gemacht, B404 wird zugemacht. Das alles in einem Jahr und nicht koordiniert. Doch, das ist das wichtigste Thema. Wenn der Verkehr vernünftig geregelt wird, sparen wir eine Menge Schadstoffe. Wir geben der Wirtschaft Kraft zurück, die sie im Stau verliert. Es ist das vordringlichste Thema überhaupt, es allen Politikern klar zu machen, wie  wichtig diese Verkehrsadern hier sind.

Sehen Sie das nur im Individualverkehr oder auch auf den anderen Verkehrswegen?

Ich sehe das auf allen Verkehrswegen. Selbst die Bahnanbindung ist hier eine Katastrophe. Bei uns hier in der Firma haben wir jeden Tag 140 Mitarbeiter, die hin und her müssen. Davon kommt circa die Hälfte aus dem Norden Hamburgs. Wie oft erleben die es, das die S-Bahn, die Busse nicht fahren. Die Kollegen die aus dem Bereich Stade oder Buxtehude kommen leiden unter der sehr mangelhaften Anbindung der S-Bahn dort. Es sind Straße und Schiene, die schlichtweg nicht funktionieren.

Bald bleibt nur noch das Wasser. Und da ist Hamburg sehr monopolistisch unterwegs mit der eigenen Reederei. Sie erlauben auch nichts anderes nebenbei. In den 20er Jahren gab es auf der Elbe unglaublich viele Fährverbindungen im Personenverkehr. Die sind alle eingeschlafen, weil jeder sein eigenes Auto hat. Aber wenn Auto nicht mehr geht und nicht mehr funktioniert auf Grund der Verkehrsinfrastruktur, muss man mal überlegen,  ob man nicht sagt, man geht wieder aufs Wasser.

Sie sind sehr engagiert im Bereich Mobilität. Sie haben derzeit auch ein Projekt, in dem an einem Wasserstoff-LKW gearbeitet wird. Was hat es damit auf sich?

Wir arbeiten in Winsen an der Luhe daran, Sattelzugmaschinen umzubauen von Diesel auf Wasserstoffantrieb, also auf Brennstoffzellen. Das Projekt wird vom Bundesverkehrsministerium gefördert. Wir wollen binnen eines Jahres den ersten Vierizgtonner mit Wasserstoffantrieb auf die Straße bringen.

2021 kann man diesen LKW also bereits auf der Straße sehen?

Ja, davon gehen wir aus. Es ist sehr realistisch bereits Ende dieses Jahres den ersten Wagen zugelassen auf der Straße zu haben.