Frühjahrsputz

Stark bleiben und weitermachen auch in Krisenzeiten - Interview mit Gülten Bockholdt

Als hanseatisches Familienunternehmen mit rund 5.000 Mitarbeitern und 18 Standorten gehört das Unternehmen Bockholdt zu den größten Arbeitgebern Norddeutschlands und ist seit 1959 Dienstleister für Gebäude-, Industrie- und Klinikreinigung. Seit 2019 ist die Bockholdt KG Aktionär der Süderelbe AG. Gülten Bockholdt, Gesellschafterin der Bockholdt KG, erläutert im Interview mit uns die derzeitigen Herausforderungen.

Frau Bockholdt, Sie haben sich direkt auf unseren Aufruf gemeldet, uns Ihre Ideen in der Krise mitzuteilen. Welche Gedanken bewegen Sie derzeiit?

Zunächst einmal können wir in unserem Land sehr dankbar für eine so unkonventionelle und pragmatische Politik sein. Vergessen sind die Grabenkämpfe und Profilierungen, es geht allen um nur eine Sache: sicheres Fahrwasser für unser Land, gesundheitlich wie wirtschaftlich!

Wie ist die Situation in Ihrem Unternehmen. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen?

Sauberkeit ist in unserem Unternehmen Berufung. Mehr denn je sind jetzt Hygienemaßnahmen gefragt, die Leben schützen. Bei unseren systemrelevanten Kunden aus Bereichen wie z.B. der Medizintechnik, Lebensmittelproduktion oder dem Einzelhandel geben unsere Mitarbeiter derzeit alles, damit bei guter Hygiene die weitere Versorgung der Gesellschaft aufrechterhalten bleibt. 

Spüren Sie bereits wirtschaftliche Folgen?

Ja, wir haben sehr viele Schließungen und Umsatzeinbrüche zu verkraften; damit sind wir nicht allein und dafür bietet unsere Regierung in Land und Bund sehr pragmatische Hilfestellung.Verbleibende Risiken müssen wird derzeit alle miteinander überwinden.

Sauberkeit ist aber auch eine Haltung, und derzeit werden bei Material und Chemie Preise aufgerufen, die fern von Haltung und kaufmännischem Gebaren sind. Wir hören von unseren langjährigen Kunden, dass auf Nachfrage unsere Marktbegleiter Angebote mit extrem erhöhten Stundenverrechnungs-sätzen platzieren. Das kann keine gesunde Partnerschaft vertragen und verzeihen, und ich kann nur dazu aufrufen, dass in sauberer Bodenständigkeit gearbeitet wird. Auch wenn wir alle viele Schließungen und Umsatzeinbußen hinnehmen müssen, können und dürfen wir deshalb die kaufmännischen Tugenden nicht über Bord werfen. Jetzt ist unternehmerische Weitsicht durch Unsicherheitstoleranz gefragt, und nicht der kurzfristige Opportunismus.

Welche konkreten Änderungen im Hinblick auf Prozesse oder Arbeitsorte (z.B. Homeoffice) gibt es in Ihrem Unternehmen derzeit?

Als Handwerksunternehmen sind vor Ort und unsere Arbeit funktioniert nur Hands-On. Homeoffice ist keine Option für uns. In unseren Niederlassungen selbst haben wir alle erforderlichen Vorkehrungen für die Abstände der Arbeitsplätze oder auch Telefonkonferenzen getroffen.

Unsere Mitarbeiter/Innen sind über die notwendigen Umgangsformen und Notfallmeldeketten informiert. Und selbstverständlich erfolgen regelmäßig Desinfektionen an neuralgischen Kontaktflächen. Wir wissen, dass eine gute Händehygiene gesund hält, auch bei Grippe. Mit Corona ist deutlich sichtbar: sauber ist gesund!

Vor allem aber spüren wir in unserer Belegschaft den positiven Spirit, dass dieser Ausnahmezustand nur gemeinsam zu bewerkstelligen ist.