Urlaub im eigenen Garten - Strandkörbe sind der letzte Schrei in Corona-Zeiten. Die Strandkorbprofis aus Buxtehude haben aufregende Wochen hinter sich.

Im Rahmen ihrer Aktion „Gesundheit am Arbeitsplatz“ interviewte das Team vom Fachkräftemarketing-Projekt „besserhier“ der Süderelbe AG Nils Gosebeck, Geschäftsführer von den Strandkorbprofis aus Buxtehude.

 

Wie ist die Strandkorbmanufaktur hier in Buxtehude entstanden?
Meine Eltern haben das Unternehmen vor 20 Jahren hier gegründet, und das war eigentlich ein Zufall. Am Hamburger Hafen sind zwei Container mit Strandkörben verspätet angekommen, die der Baumarkt nicht mehr abnehmen wollte. Meine Mutter findet Strandkörbe super. Deshalb haben meine Eltern die zwei Container gekauft, eine Lagerhalle angemietet, die Strandkörbe repariert und dann innerhalb eines Wochenendes verkauft. Ein paar Wochen später hat sich der Hersteller aus Indonesien bei uns gemeldet. Dann haben wir den Import angefangen und später auch eine Produktion aufgebaut. In Buxtehude findet die Veredelung statt. Hier sind die Näherei und die Polsterei, die Montage und das Rohgestell bekommen wir in Einzelteilen aus Indonesien geliefert.

Wie viele Mitarbeiter sind bei Ihnen aktuell beschäftigt und wohin liefern Sie die Strandkörbe?

Aktuell haben wir 42 Mitarbeiter und in unserem indonesischen Werk sind in der Hochsaison knapp 250 Mitarbeiter beschäftigt.
99 Prozent unserer Kunden sind in Deutschland, Nordrhein-Westfalen ist der größte Absatzmarkt. Aber wir liefern weltweit. Letzte Woche haben wir einen Strandkorb produziert, der nach Australien geht, und wir haben dieses Jahr schon nach Dubai und Kanada geschickt. Ab und zu haben wir auch prominente Kunden wie z.B. Thomas Müller, der Anfang März seinen Strandkorb bekommen hat.

Sehr viele Unternehmen kämpfen aktuell mit der Corona-Krise. Welche Auswirkungen hatte die Krise am Anfang auf Ihr Unternehmen und wie hat es sich im weiteren Verlauf entwickelt?
Mitte März mussten wir schließen, und das hat uns schon Angst gemacht. Wir sind ja ein Saisongeschäft und März, April und Mai gehören zu unseren umsatzstärksten Monaten.
Aber dann ging es ganz schnell. Den Menschen wurde bewusst, dass es dieses Jahr nichts mit einem Urlaub in Italien oder Spanien wird. So hatten sie viel Zeit, um zu überlegen, wie sie ihren Garten schön machen wollen. Davon haben wir definitiv profitiert. In dieser Situation zahlt es sich aus, dass wir in den letzten Jahren viel ins Online-Marketing investiert haben und viele Kunden unseren Online-Shop nutzen. Durch Corona haben wir das Vierfache an Umsatz gemacht. Viele Medien haben das aufgegriffen und darüber berichtet, weil es natürlich eine schöne Geschichte ist, dass die Leute sich einen Strandkorb kaufen, um im Garten Urlaub zu machen.

War es schwer, zusätzliches Personal zu finden?
Als Saisongeschäft können wir von April bis August locker zehn neue Mitarbeiter einstellen. Das war dieses Jahr natürlich extrem. Bei den Fachkräften wie Raumausstattern oder Polsterern können wir keine Leiharbeiter zusätzlich einstellen, weil die Einarbeitung allein schon vier bis fünf Monate dauert und dann ist die Saison schon wieder vorbei.
In der Lieferung, Endmontage, Verkauf und im Lagerbereich konnten wir erstaunlich schnell Personal finden, ganz anders als in den letzten Jahren. Wir haben ganz simpel über Kleinanzeigen inseriert, Bereits nach einem halben Tag gingen zahlreiche Bewerbungen ein, so dass wir uns die Kandidaten aussuchen konnten. In den letzten sechs Wochen haben wir knapp zehn Mitarbeiter eingestellt.

Wie haben Sie Ihre Betriebsabläufe geändert, um die aktuellen Hygienestandards einzuhalten?
Wir konnten zum Glück in allen Abschnitten weiterarbeiten, mussten aber natürlich schon einiges umstellen. Im Verkauf lassen wir nur maximal acht Personen gleichzeitig hinein, obwohl wir sogar nach der Quadratmeterzahl hochgerechnet das Doppelte hereinlassen dürften. Wir haben zwar genug Fläche, aber wenn es um die Stoffwahl geht, gibt es zwei Hotspots, an denen sich die Kunden sammeln würden.
Auch in der Produktion mussten wir die Arbeitsabläufe verändern. Wir sind produktiver, wenn wir in der Näherei und Polsterei im Team arbeiten. Eigentlich wird ein Strandkorb von drei Näherinnen und zwei Polsterern produziert. Im Moment macht eine Näherin einen Strandkorb und ein Polsterer den anderen. So können wir die Abläufe auseinanderziehen und das „Hand in Hand arbeiten“ vermeiden. Dadurch verlieren wir ein bis zwei Strandkörbe in der Produktion pro Tag, können aber die Hygienestandards einhalten.

Inwiefern hat denn diese Krise zu einer Stärkung der Mitarbeiterbindung an das Unternehmen geführt?
Die Mitarbeiter sind sehr glücklich darüber, dass es bei uns nicht zu Kurzarbeit gekommen ist. Das kennen sie natürlich aus dem Freundeskreis oder der Familie, dass viele in Kurzarbeit gehen oder teilweise sogar gekündigt werden mussten. Es ist deutlich zu merken, dass unsere Beschäftigten sehr, sehr froh sind, dass hier im Gegenteil sogar mehr zu tun ist. Dadurch sind natürlich auch alle sehr motiviert und froh, diesen Arbeitsplatz zu haben. Wir haben einfach ein super Team, alle ziehen komplett mit und sind sehr engagiert, machen Überstunden usw. Alle Mitarbeiter haben auch Corona-Bonuszahlungen bekommen.

Gab es zu Anfang bei Ihren Mitarbeitern Ängste oder Unsicherheiten zum Umgang mit der Krise?
Wir wussten ja zunächst auch nicht, wie es weitergeht. An dem Tag, als wir das Geschäft schließen mussten, haben wir den Mitarbeitern gesagt, dass wir das erst einmal zwei Wochen beobachten und niemanden sofort in Kurzarbeit schicken. Aber wenn unser Hauptsaison-Geschäft von März bis Mai weggebrochen wäre, hätten wir auch Probleme bekommen. Damit mussten wir uns aber glücklicherweise nicht genauer auseinandersetzen, weil wir schnell gemerkt haben, dass es bei uns genau in die andere Richtung laufen wird.

Unabhängig von der Corona-Situation, welche gesundheitsfördernden Maßnahmen bieten Sie Ihren Mitarbeitern?  
Es gibt eine Betriebsärztin, die vierteljährlich vor Ort ist und sich die Arbeitsplätze in den einzelnen Abteilungen gemeinsam mit unserem Sicherheitsfachmann anschaut. Wir haben alle Stühle in der Näherei und im Büro von ihr einstellen lassen. Natürlich achten wir zudem darauf, dass unsere Maschinen alle in einem ordentlichen Zustand sind und regelmäßig gewartet werden.

Gibt es bei Ihnen Mitarbeiter, die mal in einer anderen Region gelebt haben und zurückgekommen sind, oder die komplett aus einer anderen Region hierhergekommen sind und bei Ihnen Fuß gefasst haben?
Der Großteil unserer Mitarbeiter kommt aus dem Alten Land bzw. dem Stader Raum. Ein Korbflechter kommt aus Neuruppin, und wir haben für ihn eine Betriebswohnung in Elsdorf angemietet. Der eine oder andere ist der Liebe wegen von woanders hergezogen, aber die meisten kommen aus der Region und sind z.B. früher für den Job nach Hamburg gependelt und wollten das irgendwann nicht mehr.